Einführung zur CHRONIK „Zanzenberg 2020 Pandämonenparty“

Der Basistext besteht aus fünfzig von mir verfassten, wöchentlich veröffentlichten, Sonntags-Kolumnen des Jahres 2020. Ergänzend dazu zeichnete ich mit der PC-Maus in spontaner Reaktion auf den Text frei assoziierte Gebilde, Figuren und Objekte. Es sind bildnerische Kommentare. Die Textsammlung ist zugleich eine individuelle Chronik über das Jahr der „Pandämonie“.

Die Wochenkommentare sind überwiegend Satiren auf gesellschaftliche Ereignisse im Jahre 2020. Die Darstellung ist persönlich gestaltet, also subjektiv und sprachlich eigenständig mit spezifischen Sprachverformungen. Wortschöpfungen bremsen den Lesefluss und erzeugen sprachspielerische Bedeutungsvarianten. Sie erfordern, das Lesetempo zu drosseln oder nochmals zurückzulesen, um zu verstehen.    

Das Thema „Erinnern und Vergessen“ motivierte mich, diese außergewöhnliche Form der Dokumentation zu produzieren. „Der Volk“ vergisst bekanntermaßen nach längstens einem Jahr, was sich ereignet hat. Damit kalkulieren die „PlotikerI“. Aktuelle Ereignisse überwölben das Vergangene. Vergessen ist sowohl eine „merkwürdige“ als auch keine „merkwürdige“ menschliche Eigenschaft.  

Textform nimmt auf Information Einfluss, engt sie überwiegend ein. Meine Wochenkommentare erschienen 2020 in Blockform und einzeilig. Unveränderbar. Im der „Pandämonenparty“ löste ich die Blockform auf, wechselte die Schrift, die Schriftgröße oder auch die -stärke. Das geschah spontan, meist emotional gelenkt. Experimentelle Textgestaltung soll Assoziationsräume schaffen, laufenden Scheinwerferwechsel ermöglichen, um u.a. das Auftauchen von Pandämonen hervorzurufen, elektronische Mäuse tanzen zu lassen. Die Gestalthaftigkeit der Mauszeichnungen erschien mir manchmal gespenstisch lebendig. Sie nutzten die Freiheit und haben Texte beklettert, bekleckert, gelobt wie verspottet. Verwirrt. Vervirt. Meine „Bezeichnungen der Texte“ mit der PC-Maus öffnen damit den Raum für außersprachliche Botschaften. Die starre Blockform der Zeitung ist überwunden. LeserInnen haben die Kolumnen für sich ausgeschnitten und gesammelt. Jede Kolumne zeigte bereits 2020 eine kleine Mauszeichnung vor bzw. nach dem Blocktext.

Aus dem Wort Pandemie wurde 2020 „Pan-Dämonie“.  Aus Pan und Dämon wurde Pandämon, der Weltbeherrscher. Unter ihm werkeln die Pandämonen, die Weltteufel, sich zeigend in Grimassen, entstellten Figuren, verzerrten Menschengruppen, surrealen Körpern, fehlenden Gliedmaßen, absurden Augen, Nasen, Ohren, vor allem viele Spritzen.  Pan bedeutet ganz, völlig, gesamt, ist sowohl Teil des Wortes Panik als auch in der griechischen Mythologie der Hirtengott. Die bösen Dämonen bekommen mit Pan auch einen guten Part. Der Böse-Gut-Dualismus bleibt erhalten. Die Party kann beginnen. 

Ich lasse das Buch mit der Entstehung der Sprache beginnen und weise auf die Frage nach dem Ursprung unserer Kommunikation. VOR WORT (vor dem Wort) präsentieren sich PULS und LAUT als experimentelle Klang-Komposition, abrufbar mittels Musikvideo auf „QR-Code“, inzwischen als „Impf“-Zeichen „massenverordnet“.

Die 50 Kolumnen gliedern sich in zeitlicher Abfolge wöchentlich nacheinander in 12 Monatskapitel. Jede Geschichte weist am Ende eine „Nummerntafel“ auf, das Datum der Erscheinung.

Für die Monatsnamen holte ich den Kulturphilosophen Einhard (Beseleel) auf die Pandämonenparty. Er hat im 9. Jahrhundert im Rahmen der Vita Karoli Magni die ersten deutschen Monatsnamen erfunden, um die lateinischen Bezeichnungen abzulösen und die erste althochdeutsche Fassung zu erschaffen. Seine Neuschöpfungen sind nicht nur besonders klangvoll, sondern auch inhaltlich interessant.

Teil der Einleitung ist ein Textzitat von H.C. Artmann und ein von mir vorgenommenes lautliches Experiment. Das Lied von den Schnecken ist ein Text von Jaques Prévert. Neu hinzugefügte Fußnoten bieten ergänzende Informationen.

Der Themenreigen beginnt im Jänner 2020 noch ohne Pandemie unter dem Eindruck der weltweiten Klimafrage mit dem Text „Was der Eisbär sagt“ und endet mit der Mäusefrau (F. Villon).

Die Buchgestaltung (Innenteil) hatte die Vorgabe, einen dem Toben der Pandämonen entsprechend möglichst chaotisch, weitläufig, ungebunden, unaufgeräumt zu sein. Das konnte nur durch amateurhafte Innengestaltung erreicht werden, daher übernahm ich die Gestaltung selbst. Die professionelle Umschlagsgestaltung (Cover und Rückseite) übernahm die Grafikerin Sylvia Dargyal. Die Kompositionen sind von mir, die Tonaufnahmen und die filmische Umsetzung lieferte Julian Sedlmayr.

Zuletzt weise ich daraufhin, dass die Texte in Prosa, in Dialogen, in Gedichtform und in experimenteller Dramaturgie erscheinen. Es empfiehlt sich, sie vorzutragen oder szenisch umzusetzen.

Das Buch erscheint als 250 Seiten starker „Satiren Atlas“ in limitierter Auflage.


factbox

ZANZENBERG 2020 Pandämonenparty. Autor: Ulrich Gabriel, limitierte Auflage, Oktober 2021
ISBN 9783902989550
Preis: € 35 / Ex.
(c) unartproduktion, Dornbirn

http://www.unartproduktion.at