Eine wuchtige Felswand wacht über das Geschehen in Dornbirn und Umgebung: der Breitenberg. Wumm. Er ist keine Schönheit, und doch ist der rechteckige Klotz etwas Besonderes. Ein Trumm. Ungegliederte Felsenwucht. Grob, ungehobelt, unaufgeräumt. Unstrukturiert. Ein versteinerter Nehammer. Mächtig ohne Besonderheit. Einzig die gelbe Wand rückt auf Grund ihrer Gefährlichkeit etwas mehr in den Vordergrund. Felsabbrüche haben sie bekannt gemacht und ihr Bedrohlichkeit verschafft. Neben ihr kletterten schon Nazis mit Pinseln herum und malten ein riesiges Hakenkreuz, das ein französischer Sherman vom Hatler Brunnen aus herunterballerte. Wumm.

Das Gasthaus Haslach unten lockt nicht oft. Es war mal Bad, mal Ausflugsgaststätte, mal Disco, mal Pizza, mal Indisches Restaurant, italienisches Restaurant. Dahinter grasen Ziegen. Beim letzten Steinbruch 1971 ist ein Felsbrocken auf ihre Wiese gerollt. Gelangweilt wartet das Haus auf einen neuen Wirt, der es lieb hat.

Die angerichtete Pandämonie verlängert das Warten. Geschmacklosigkeit der Pandämoniker haben dem Volk Gasthausbesuche ausgetrieben. Kulturlose humorbefreite Impfgesundheitsfritzen. Unlust ist Zeitgeist. Mir kommt es vor, als ob die Regierung aus angefressenen Schulwarten besteht, die seit zwei Jahren öffnen und schließen, den Volk in den Stall treiben und einsperren. Steinbruchzeit?

Am Auslauf des Fallbaches treibt sich ein Schrat 1) herum. Manchmal hört der Volk ein heiseres Miauen in der Dämmerung.

Ich meine einmal sein verknittertes Gesicht gesehen zu haben, es glich dem Sobotka 2).. Der Schrat kam aus dem Wald hinter dem Haus, hockte sich kurz auf die Kinderschaukel, einmal hin einmal her, sprang ab und verschwand bachaufwärts. Er setzte mir eine Gedankendrohne ins Sprechzentrum, die seit dem dort herumkurvt, meine Lippen zum Ü-Gesicht rundet und mich zum Sprechen bringt. So:

„Wüste Lücken, trübe Gründe, düst’re grüngeschmückte Schlünde müssen kühn wir überbrücken, Blüt wie Früchte rühmlich pflücken“ 3)

Sprichs dreimal laut selbst und erlebe das Glücksgefühl nach Hey.

Noch mit Sprechen beschäftigt, stoße ich auf einen Felsbrocken. Die Trümmer der Felsstürze 1654, 1760, 1943 und 1971 liegen, teils verwachsen, verwittert unterm Berg herum. Die Steinbrüche des Breitenberg zwischen Dornbirn und Hohenems haben eine 400-jährige Geschichte.

Während der Kreidezeit 4) vor rund 110 Mio. Jahren führte der Druck der afrikanischen Platte gen Norden zur Auffaltung und Überschiebung des Meeresbodens, was die Gebirgsbildung der Alpen zur Folge hatte. Schrattenkalk.

An der Felswand in Unterklien 5) findet sich eine geologische Besonderheit, denn die Faltungen und Überschiebungen haben die geologischen Schichten „umgekippt“ und liegen jetzt in genau umgekehrter Reihenfolge mit den jüngsten Gesteinsschichten am Fuß der Felswand. Die ältesten Formationen liegen zuoberst.

Dem Ill-Rheingletscher, der während der Eiszeit das Rheintal bedeckte, verdankt die Felswand ihre heutige Form. Die ganze Steinbruchgegend am Waldrand zeigt sich spannend als ein filmreifer geologischer HInterhof. Ein paar Tote dazu und der Tatort könnte beginnen.

Siehe da: Schon erklingt der Beginn von Haydns Schöpfung aus riesigen Lautprechern aus der Wand: „Vorstellung des Chaos“ Tannen geigen. Wache Geister suchen Begegnung. Das Keinzeitalter beginnt gerade. Umbruch. Veränderung. Der Volk ist in Unruhe, nur die da oben begreifen es nicht.

Am Sonntag wird es deshalb spannend: Deutschland wählt, Oberösterreich wählt.

MFG

  1. Schrat: Naturgeist. Je nach ihrem Lebensraum können sie auch als Wald-, Bach- oder Wiesenschrate erscheinen.
  2. Wolfgang Sobotka (*1956 in Waidhofen an der Ybbs) ist ein österreichischer Politiker (ÖVP), Historiker, Dirigent und ehemaliger Lehrer. Gehört zur „türkisen Familie“.
  3. Sprechübung Ü. „Der kleine Hey: Die Kunst des Sprechens“. Nach dem Urtext von Julius Hey. Schott. ED614
  4. Die Kreidezeit (lateinisch Cretaceum, ist ein Zeitabschnitt der Erdgeschichte. Innerhalb des Mesozoikums (Erdmittelalter) ist es das jüngste und mit 80 Millionen Jahren das am längsten dauernde Periode in der Geochronologie). Sie begann vor rund 145 Millionen Jahren mit dem Ende des Juras und endete vor etwa 66 Millionen Jahren mit dem Beginn des Paläogens, des ältesten Systems des Känozoikums.
  5. Quelltext: Der Steinbruch für das Rheintal – Steinbruch Unterklien (steinbruch-unterklien.at). Rhomberg Steinbruch Gesellschaft m.b.H. & Co OG