Es ist unglaublich, dass nichts von dem, was man geschichtlich für überholt hielt, wirklich verschwunden ist, alles ist da, bereit zur Wiederaufbereitung, alle archaischen Formen sind unversehrt und zeitlos vorhanden wie Viren im Innern des Körpers. Die Geschichte wurde nur aus der zyklischen Zeit herausgerissen, um dem Recycling zu verfallen 1).

Ich stelle mich wenige Nächte später um 23.51, also nachts, im Bett meinem eingefallenen Einfall, noch halbwachend, im Schlaf, vom Leben nach Nichtleben zu wechseln. Die einfallenden Bilder tippe ich im Liegen mit dem rechten Zeigefinger ins I-Phone, die linke hält das Mobile. Alles im Liegen, zugedeckt im Bettsarg. Damit beginnt der Dahingang.

Ein Anfang ist gemacht, tatsächlich wohnt ihm ein Zauber inne. Der Einstieg zeigt sich in Stufen und ungeordnet. Schau ma mal, solange Bilder kommen. Das ist mir für meinen Dahingang zunächst einmal genug. Bing. Das Schlafzeitprogramm meldet 00:00 Uhr am Bildschirm. Bing bing. Kein Zufall nirgends. Kein Ort nirgends da. Nicht-Ort: u topos 2).

In den Tagen darauf Tag  läutet es. Ein Freund steht draußen und teilt mir den Tod seines Bruders mit. Er komme grad von Spital. Eine Woche danach werde ich von zwei befreundeten Personen angerufen, ob ich noch lebe. Es werde erzählt, ich sei gestorben. War der Wunsch der Vater des Gedankens? Ich begebe mich wieder in Warteposition. Wie im Hochstand. Kommt was?

Ich soll lesen.  Also nehme ich ÄON von Greg Bear 3) zur Hand und lese im Science fiction weiter, der immer griffbereit neben anderen Büchern neben mir im Bett liegt. Kap.13 ist dran. Licht an. „Die Stadt in der dritten Kammer war der nächste Schritt. Nach dem Ausflug zu den Schächten des ersten Zirkels und nach dem Studium der Bücher, die Lanier ihr in der Bibliothek von Alexandria zusammengestellt hatte, wuchs Patricia – entsprechend abgestumpft – nahtlos in die Materie hinein. Es war ein Spiel, eine Übung, nicht mehr wirklichkeitsbezogen …“ 

Nach kurzer Zeit holt mich die Nacht wieder. Licht aus. Ich steig ein in die andere Seite. Ohne das Buch. 4)

  1. „Die Illusion des Endes oder der Streik der Ereignisse“. Von Jean Baudrillard.  1992. Merve Verlag Berlin. Rückseite Folke Hanfeld
  2. „Kein Ort nirgends“ Buch von Christa Wolf. 1979
  3. „Äon“ Buch von Greg Bear, Science Fiction. 1996.
  4. „Die andere Seite“ – einziger Roman von Alfred Kubin. 1909.

Das war Klockdaun 5