Knapp (Standard):      „In den „Robotermärchen“-1) ist die Rede vom Bleichling, dem hässlichsten und durchtriebensten Wesen im ganzen Universum. Hat sich der Bleichling Anfang des 21. Jahrhunderts etwas gebessert?“

Stanislwas Lem (in einem Interview mit dem Standard 2001-2), vor 20 Jahren):        „Ich fürchte im Gegenteil. Inzwischen haben wir schon an die sechs Milliarden Bleichlinge. Sie haben zwar den technischen Fortschritt gefördert und erstaunliche Technologien geschaffen. Doch je komplexer die Technologie, desto primitiver, um nicht zu sagen oberflächlicher die Information. Nehmen wir „Big Brother“, der uns durch hochmoderne Satelliten ins Haus gestrahlt wird. Ein weiterer Beweis, dass die Bleichlinge sich offenbar des Denkens mit Gewalt entwöhnen wollen. In der modernen Neurologie fängt man gerade an zu begreifen, was für ein Wunderding das menschliche Gehirn ist. Gleichzeitig müssen wir mitansehen, wie die Besitzer dieses Wunderdings immer dümmer werden.“

  1. Robotermärchen
  2. der standard, Literatur, 15. Sept. 2001: „Der Tod ist der Motor, der die Evolution antreibt. Stanislaw Lem im Interview zum Thema Gentechnik, das Bewusstsein und die Bleichlinge“.

RISKANTE KONZEPTE heißt Stanislaw Lems Essayband im Insel Verlag. ISBN:  978-3-458-17085-3. Der in Lemberg geborene Schriftsteller, Futurologe und promovierte Arzt setzt sich in diesem Band einmal mehr mit der Evolution, der technischen Entwicklung, der Biotechnologie und Gentechnik, mit Informationstechnologie und „Künstlicher Intelligenz“ auseinander.

PERSÖNLICHE BEMERKUNG: Inzwischen ist es so, dass die Bleichlinge nur noch primitiv aufbereitete Einweg-Information des Systems zu sich nehmen. Jede andere, also komplexere, widersprechende oder erweiternde Information wird rigoros abgelehnt, vermieden, verhindert oder gelöscht. Denken wird als persönliche Verunsicherung empfunden, als riskanter Stressfaktor, der das einfache Glück der leicht konsumierbaren staatlichen Einwegnachricht, wie sie z.B. in Steinzeitbild 1 und 2 des ORF geliefert wird, empfindlich stört. (ug)